Village im Dritten – Das Lüfterl

Typ
Wohngebäude Stadtquartier

Lage
Village im Dritten, Bauplatz 10, 1030 Wien

Auftraggeber
wohnfonds_wien

Planungszeitraum
2020

Fläche
ca. 3.320m²

Unsere Leistungen

Bauträgerwettbewerb

Die Sprösslinge verschaffen sich Raum

Im Zuge des Bauträgerwettbewerbs zur Quartiersentwicklung „Village im Dritten“ haben wir zusammen mit KIBB Immobilien und den g.o.y.a achitects eine multifunktionale Wohnanlage entworfen.

Ganz nach dem Motto „Die Sprösslinge verschaffen sich Raum“, zwängen sich Grünflächen wie die Wurzeln von Pionierpflanzen in die bebaute Struktur und dehnen sich dort aus. Aus einer barrierefreien Erschließung wird somit eine Blütenrampe unter einem Baumhain, Wegeverbindungen werden auf ein zartes, aber leistungsfähiges Netz reduziert und anstelle von (Vor-)Platzsituationen fügen sich befestigte Terrassen und kleinere Aufweitungen beiläufig ein.

Im Erdgeschoß nehmen neben den Pflanzen auch die Sprösslinge der Bewohnenden den Raum ein. Spielgeräte werden vor allem den Kleinkindern angeboten. Die Aneignung der Jugendspielflächen erfolgt beiläufig aus den „Parkfingern“. Aus dem Kreuzungsbereich des östlichen Parkfingers lädt ein Pfad aus Trittsteinen in den Innenhof ein, entlang sind verschiedene Stationen aufgefädelt. Das Spiel endet im Innenhof nicht als Sackgasse, sondern führt empor über den „fliegenden Teppich“ in das höhergelegene Niveau des südlichen Parkfingers. Der Rundweg schließt sich über die Blütenrampe. In, vom Gebäude überdeckten Nischen erlaubt eine tribünen- und bühnenartige Situation den Blick auf das Kommen und Gehen wie auch in das Quartier.

Auf dem gut besonnten Dach des südlichen Gebäuderiegels, bildet die Dachterrasse „Stadtacker“ das Gegengenwicht zu den Spielflächen im EG. In Hochbeeten und „Ackerstreifen“ zwischen Rasenwegen finden die Bewohnenden die Möglichkeit zur Selbstversorgung. Das „Wilde Eck“  am östlichen Ende des Ackers schließt mit Komposthaufen, Totholz- und Lesesteinhaufen sowie Bienenstöcken einen biodiversen Kreislauf. Bei der Bepflanzung wurde auf eine ökologische und biodiverse Auswahl geachtet.

Der Lesehain im 6. OG bietet ruhige Rückzugsmöglichkeiten ins Grüne. Sitzbänke im kühlen Schatten von mehrstämmigen Felsenbirnen und Pimpernuss umgeben von im Wind wiegend rauschendem Blüten- und Gräsermeer laden zum gemütlichen Verweilen ein.

Das neue Quartiershaus soll jedoch nicht nur attraktiv und funktional, sondern auch klimaresilient sein. Der Innenhof wird durch Baumpflanzungen und Vegetationsflächen gekühlt. Ein Wassersprudel- und Nebelspiel kühlt tagsüber aktiv jenen Bereich, der aufgrund der Feuerwehrzufahrt besonders anfällig für einen Hitzehotspot ist. Die Baumpflanzungen werden in Hinblick auf die Entlüftung gewählt. Die Grüne Infrastruktur wird zusätzlich durch Vertikalbegrünungen ergänzt. Bei der Wahl der Flächenbefestigungen wird auf offenporige Pflaster- und Bodenbeläge und helle Materialien mit hohem Reflexionsvermögen gesetzt.

Doch die Kühlleistung der Vegetation funktioniert ausschließlich bei entsprechender Versorgung mit Wasser. Das auftreffende Niederschlagswasser soll daher in erster Linie nicht zur Versickerung gebracht werden, sondern wie in einem Schwamm auf dem Dach und in den Beeten gehalten und durch die Pflanzen zur kühlenden Verdunstung genutzt werden.